Mein eigener Desktop läuft mit Arch Linux und KDE Plasma. Zorin OS nutze ich nicht im Alltag, und das wird sich auch nicht ändern. Trotzdem kommt die Frage regelmäßig: Was soll jemand installieren, der von Windows kommt, keinen Administrator-Hintergrund hat und vor allem eins will — einen Desktop, der morgens startet und abends wieder runterfährt, ohne dass vorher ein Tutorial gelesen werden muss.
Genau für diesen Anwendungsfall teste ich Distributionen, die ich selbst nicht fahren würde. Zorin OS 18.1 ist ein Point-Release auf Ubuntu 24.04 LTS, sechs Monate nach 18.0. Kein großer Richtungswechsel — eher die übliche Nacharbeit an Treibern, Desktop-Verhalten und Umsteiger-Werkzeugen.
Was Zorin unter der Haube ist
Zorin OS ist keine Distribution für Leute, die ihr System ohnehin selbst zusammenbauen. Das Team um Artyom Zorin nimmt Ubuntu als Basis und legt oben drauf, was beim Wechsel von Windows oder macOS den Alltag erleichtert: vorkonfigurierte Layouts über Zorin Appearance, eine eingebaute Logik für Windows-Installer und eine zweite Edition für schwache Hardware.
Der technische Unterbau bleibt Ubuntu. Das ist gleichzeitig Stärke und Abhängigkeit: Security-Updates, Paketverwaltung und LTS-Rhythmus kommen aus dem gleichen Ökosystem wie bei Millionen anderer Installationen. Was Zorin zusätzlich liefert, muss das Team selbst pflegen — Desktop-Overlays, Erkennungslogik, Themes, Installer-Flow.
Was 18.1 geändert hat
Die relevanten Unterschiede zu 18.0 im Überblick:
| Merkmal | Zorin OS 18 | Zorin OS 18.1 |
|---|---|---|
| Kernel | 6.5 | 6.17 |
| App-Erkennung | Standard | +40 % (240+ Apps) |
| Fenster-Tiling | Basis | Edge-Snapping, erweiterte Layouts |
| Hardware | Standard | ROG Ally, ThinkPads, Hybrid-GPUs |
| Support bis | Juni 2029 | Juni 2029 |
Aus meiner Sicht ist Kernel 6.17 der wichtigste Punkt. NVIDIA, Intel Xe3, AMD-Hybrid-GPUs, ThinkPads, Galaxy Books und Handhelds wie das ASUS ROG Ally werden ohne manuelles Nacharbeiten erkannt. Genau dort hatte Ubuntu 24.04 in der Praxis noch häufiger Nachfragen produziert als Lösungen.
Die erweiterte Windows-App-Erkennung ist der zweite Hebel. Statt standardmäßig Wine zu starten, versucht Zorin zuerst, native Alternativen zu finden — Plex aus dem Store, Evolution statt Outlook, passende Flatpaks von Flathub. Das reduziert Support-Aufwand bei Umsteigern deutlich, weil der häufigste Fehler nicht technisch, sondern organisatorisch ist: die falsche App installiert und dann gewundert, warum nichts funktioniert.
Am Desktop wurden Tiling, Panel und RTL-Unterstützung nachgezogen. Getilte Fenster kommen beim Wechsel über Taskbar oder Dash nach vorne, Edge-Tiling greift benutzerdefinierte Layouts, Tray-Icons lassen sich ins Panel legen. Keine Architektur-Entscheidung — aber genau die Art von Reibung, die im täglichen Betrieb auffällt.
Hardware, Editionen, Betriebskosten
Die offiziellen Mindestanforderungen:
- CPU 1 GHz Dual-Core, 64-Bit Intel oder AMD
- RAM 2 GB Minimum, 4 GB empfohlen für Core
- Speicher 15 GB frei (Core)
- Display 800 × 600 Pixel
Die Core-Edition mit GNOME braucht in der Praxis eher 4 GB RAM, wenn der Desktop flüssig bleiben soll. Für ältere Hardware gibt es die Lite-Edition auf XFCE 4.20 — gleicher Kernel, gleicher Support bis Juni 2029, weniger Dekoration, weniger Speicherhunger.
Was man bei einer Empfehlung mit einrechnen sollte: Zorin pflegt APT, Flatpak und Snap parallel über einen gemeinsamen Updater. Das ist für Anfänger bequem, erweitert aber die Update-Oberfläche. Wer später selbst administriert, muss verstehen, aus welcher Quelle welches Paket kommt. Und ein Teil der Layouts sitzt hinter der Pro-Edition — für Privatnutzer oft irrelevant, für eine ehrliche Einordnung aber erwähnenswert.

Zorin gegenüber Ubuntu
Beide teilen Repositories, Kernel-Linie und LTS-Zeitraum. Der Unterschied liegt in der Betriebsannahme.
Ubuntu 24.04 liefert eine saubere GNOME-Shell und überlässt dem Nutzer den Rest. Zorin geht davon aus, dass Vertrautheit wichtiger ist als maximale Konfigurierbarkeit am ersten Tag. Fertige Layouts statt Extension-Recherche. Eingebaute .exe-Erkennung statt manueller Wine-Prefixe. Eine Lite-Variante, die nicht nachträglich zusammengebastelt werden muss.
Ob das die richtige Abwägung ist, hängt vom Zielsystem ab. Für einen erfahrenen Administrator ist Ubuntu oft die flexiblere Basis. Für jemanden, der produktiv werden soll, bevor er versteht, was ein .desktop-File ist, ist Zorin die klarere Antwort.
Praxis auf einem Low-End-Rechner
Die ISO liegt bei rund 3,8 GB (Core) bzw. 2,9 GB (Lite). Der Installer folgt dem bekannten Ubuntu-Weg: Partitionierung, LVM, LUKS, alles per GUI. Nach dem ersten Boot kommt Zorin Welcome mit Layout-, Theme- und Update-Vorschlägen. Kein Post-Install-Terminal nötig.
Auf einem Rechner mit Core i3 und 4 GB RAM lag die Lite-Edition im Leerlauf bei 280–350 MB RAM. Die Core-Edition mit GNOME bei 780 MB — spürbar ruhiger als 18.0, aber auf dieser Hardware kein Ersatz für XFCE.
Die Windows-App-Erkennung hat im Test funktioniert: .exe-Dateien wurden erkannt, native Alternativen vorgeschlagen oder Wine 9.0 mit passenden Einstellungen gestartet. Steam, Epic, GOG und ähnliche Launcher liefen ohne besondere Nacharbeit. DRM-Probleme sind weiterhin möglich — nur seltener als bei einer manuell zusammengestoppelten Wine-Lösung.
Für mich bleibt Zorin ein Empfehlungs-System, kein Daily Driver. Für Eltern, Schule, Home-Office oder den ersten Linux-Versuch nach Windows ist 18.1 aber ein nachvollziehbarer Point-Release: Ubuntu unten, vertraute Oberfläche oben, und die Änderungen zielen auf die Stellen, die im Alltag tatsächlich weh tun — Hardware-Erkennung, Fensterverhalten, Windows-App-Handling.