Eigentlich wollte ich am Wochenende nur ein paar alte VMs auf meiner Sandbox abreißen. Aber dann hat Proxmox das Virtual Environment 9.0 veröffentlicht – und zwar schneller, als Debian 13 „Trixie“ überhaupt offiziell auf dem Markt ist.
Ich habe die ISO direkt auf mein Test-Blech gezogen. Und nach ein paar Stunden rumprobieren steht fest: Das Update lohnt sich.
Der Unterbau bekommt ein Update
Proxmox liefert hier nicht nur Kosmetik. Der Linux Kernel 6.14.8-2 bringt endlich sauberen Hardware-Support für neuere Systeme mit, QEMU 10.0.2 stabilisiert die Virtualisierung und LXC 6.0.4 macht das Container-Management spürbar robuster.
Das eigentliche Highlight ist jedoch ZFS 2.3.3. Wer schon mal versucht hat, einen RAIDZ-Pool nachträglich zu erweitern, kennt den Schmerz. Das war bisher ein Krampf sondergleichen. Ab sofort lassen sich neue Festplatten mit minimaler Ausfallzeit in bestehende RAIDZ-Pools integrieren. Eine echte Erlösung für jeden, der Speicher nachrüsten muss.
Der nächste dicke Punkt: Snapshot-Unterstützung für Thick-Provisioned LVM Shared Storage.
Klingt trocken, löst aber ein echtes Architektur-Problem. VMs auf iSCSI- oder Fibre-Channel-SANs können jetzt Snapshots ziehen, ohne dass man abenteuerliche Workarounds bauen muss. Das System nutzt Volume-Chains und speichert nur noch die Unterschiede zum Parent-Volume. Das ist kein nettes Gimmick, sondern schlichtweg zwingend notwendig für den produktiven Betrieb.
SDN: Netzwerk-Design ohne Kopfschmerzen
Beim Software-Defined Networking wurde massiv nachgelegt. Die neue „Fabrics“-Funktion macht komplexe, geroutete Netzwerke möglich. Das reicht bis zu Spine-Leaf-Topologien für größere Rechenzentren.
Für mein Homelab ist das absoluter Overkill. Aber wer saubere Netzwerk-Segmentierung in echten Enterprise-Umgebungen aufbauen muss, wird das Feature sofort nutzen.
Dazu kommen Affinitätsregeln in HA-Clustern. Damit steuerst du granular, welche VMs wo laufen. Das verhindert unkontrollierte Lastspitzen, wenn kritische Systeme nach einem Failover versehentlich denselben Host lahmlegen.

Mobile UI: Nicht mehr völlig unbrauchbar
Die alte mobile Ansicht war eine Zumutung. Wer von unterwegs mal eben eine VM durchstarten musste, brauchte gute Nerven und schmale Finger. Die neue UI wurde komplett mit dem Rust-basierten Yew-Framework neugebaut.
Jetzt lässt sich das System tatsächlich über den Smartphone-Browser bedienen. VMs verwalten, Logs checken, grundlegende Configs anpassen – das funktioniert endlich ohne ständiges Zoomen und Fluchen.
Wo das Update noch hakt
Proxmox 9.0 ist ein gewaltiger Schritt, aber nicht fehlerfrei.
GlusterFS-Support wurde komplett entfernt. Wer das noch nutzt, muss vor dem Upgrade zwingend migrieren. Das wird in manchen Setups richtig hässlich.
Dazu kommen Berichte über DKMS-Fehler nach dem Neustart und zickige grafische Installer auf bestimmten IPMI-Systemen. Was im Test-Lab wirklich genervt hat, sind die langsameren VM-Boot-Zeiten bei OVMF. Wenn eine VM statt weniger Sekunden plötzlich anderthalb Minuten zum Booten braucht, stört das den Ablauf massiv.
Wer mit Nested Containerization arbeitet (Docker in LXC), sollte sich zudem die Release-Notes zu AppArmor 4 genau durchlesen. Da lauern noch Tücken.
Upgrade-Strategie
Proxmox liefert das pve8to9-Checker-Script direkt mit. Das ist hilfreich, macht das eigentliche Upgrade aber nicht trivial.
Wer produktive Cluster betreibt, sollte definitiv noch ein paar Wochen warten, bis die ersten Kinderkrankheiten rausgepatcht sind. Für das eigene Homelab oder reine Testumgebungen lohnt sich der Sprung auf Debian 13 aber schon jetzt. Allein die ZFS-Erweiterungen und die brauchbaren LVM-Snapshots sparen im Alltag so viel Frust, dass sich das Schrauben am Wochenende rechnet.